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Aachen und Europa
Seit der Wahl Aachens als Regierungssitz durch Karl den Großen hat Aachen stets auch eine europäische Rolle gespielt. Die damalige Bedeutung Aachens wird durch die Größe der Bauten noch heute sichtbar, etwa durch den Granusturm der ehemaligen Kaiserpfalz oder das Oktagon der Pfalzkapelle, damals höchster Bau dieser Art nördlich der Alpen und heute Basis des hohen Doms zu Aachen.
Nach Karl wurden zwischen 936 und 1531 einunddreißig Könige des heiligen römischen Reiches deutscher Nation in Aachen gekrönt und hielten im Aachener Rathaus ihr Krönungsmahl. Doch Aachen hatte auch eine spirituelle Bedeutung für Europa. Die Heiligtümer aus dem Reliquienschatz Karls des Großen werden seit der Mitte des 14. Jahrhunderts alle sieben Jahre bei der Aachener Heiligtumsfahrt zur Schau gestellt. Später baute der aus Lüttich stammende Franz Blondel die Stadt zu einem Badezentrum aus, in das sich bald Prominenz aus ganz Europa einfand.
Ende des 18. Jahrhunderts besetzten die Franzosen die Stadt, die in dieser Zeit einen wirtschaftlichen Aufschwung erlebte. Im Jahr 1841 wurde die Eisenbahnlinie Köln-Aachen eingeweiht, im Jahre 1859 zählte man mehr als 200 Dampfmaschinen in Aachens Fabriken. Die Königlich Rheinisch-Westfälische polytechnische Schule nahm 1870 ihren Lehrbetrieb auf.
Als die Stadt im Oktober 1944 durch die Amerikaner befreit wurde, zählt sie nur noch 11.139 Einwohner. Die Aachener Bürger haben ihren Drang nach europäischer Einigung und ihren Willen, Grenzen abzubauen, schon wenige Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg unter Beweis gestellt und den Internationalen Karlspreis gestiftet, der seit langem großes Ansehen genießt und jedes Jahr Persönlichkeiten auszeichnet, die sich um die europäische Einigung verdient gemacht haben.
Heute liegt die europäische Hauptstadt Brüssel praktisch vor der Haustür; nach Paris sind es nicht mehr als drei Stunden mit dem Zug. Das europäische Miteinander der Menschen in und um Aachen hat zu Gemeinsamkeiten geführt, wie sie in anderen Regionen selten sein dürften.
Aachen und die Euregio Maas-Rhein
Die Menschen in Aachen leben Europa: Wohnen, Arbeiten, Studieren und Einkaufen in drei verschiedenen Staaten sind in und um Aachen Selbstverständlichkeiten. Zudem fördern zahlreiche grenzüberschreitende Projekte das Zusammenwachsen der Region.
Die Euregio Maas-Rhein wurde im Jahr 1976 als Arbeitsgemeinschaft gegründet und ist einer der ältesten grenzüberschreitenden Kooperationsverbände. Im Dreiländereck der Niederlande, Belgien und Deutschlands vereint die Euregio Maas-Rhein fünf Partnerregionen: den Süden der Provinz Limburg (Niederlande), die Provinz Limburg (Belgien), die Provinz Lüttich (Belgien), die Region Aachen (Deutschland) und die Deutschsprachige Gemeinschaft (Belgien). Auf einer Fläche von knapp 11.000 qkm zählt sie 3,9 Millionen Einwohner und es werden drei Sprachen gesprochen - Deutsch, Französisch und Niederländisch - was aus der Region ein wahrhaftes Labor dessen macht, was einmal das Europa von morgen sein kann.
An der Nahtstelle der großen wirtschaftlichen und industriellen Zentren des nordwestlichen Europas (Paris, Luxemburg, Brüssel, das deutsche Ruhrgebiet und das holländische Randstadt) nimmt die Euregio Maas-Rhein eine äußert günstige geographische Lage ein. Sie zählt zwei regionale Flughäfen und liegt in unmittelbarer Nähe zu den internationalen Flughäfen Düsseldorf, Köln, Amsterdam und Brüssel. Der europäische Hochgeschwindigkeitszug hält in Lüttich und Aachen.
An den fünf Universitäten und 15 Hochschulen der Euregio Maas-Rhein studieren fast 100.000 junge Leute. Rund 100.000 Unternehmen bilden ein solides wirtschaftliches Fundament. Und die über eine Million Besucher jährlich tragen zur Lebendigkeit der Region bei.
Wissenschaft
Wissenschaft ist international. Wissenschaftler verstehen es,
Kompetenzen, Erfahrungen und Kreativität über Länder-, Sprach-
und auch Kulturgrenze hinweg zu vernetzen. Dies ist deutlich spürbar in der Europastadt Aachen. Seit dem 8. Jahrhundert ist die Geschichte Aachens mit der Wissenschaft verknüpft, denn schon Karl der Große versammelte Gelehrte aus ganz Europa um sich. Mit seiner Palastschule machte der Kaiser seine Lieblingspfalz zum Sammelbecken des künstlerischen und geistigen Lebens.
Heute beheimatet Aachen die größte Technische Hochschule Westeuropas, die Rheinisch-Westfälischen Technische Hochschule (RWTH) Aachen, die seit Oktober 2007 eine Exzellenz-Universität ist. Zudem ist Aachen Sitz der größten Fachhochschule Nordrhein-Westfalens. Beide Hochschulen arbeiten eng mit dem Forschungszentrum Jülich zusammen.
Drei Fraunhofer-Institute, viele weitere Forschungseinrichtungen und Kompetenz- und Branchennetzwerke sowie ein Medizintechnisches Zentrum sind entscheidende Standortfaktoren für die Wirtschaft. Jährlich bilden etwa 10.000 bestens an den wissenschaftlichen Einrichtungen der Region ausgebildete Absolventen das Fundament für innovative und unternehmerische Aktivitäten.
Forschungseinrichtungen internationaler Konzerne nutzen dieses Potenzial und haben sich in der Stadt und Region Aachen angesiedelt, so zum Beispiel Ericsson, Ford, Microsoft und Philips.
Wirtschaft
Aachen gehört zu den ältesten Industrieregionen Europas. Etablierte und traditionsreiche Konzerne haben ihren Sitz in Aachen und profitieren vom Wissenschaftsstandort Aachen: Philips, Zentis, Bombardier Transportation, Continental, Saint-Gobain, Uniroyal, Grünenthal, Lambertz, Lindt&Sprüngli. Hinzu kommen Großunternehmen aus dem Tertiärbereich, etwa die Aachener und Münchener Versicherung. Zudem entwickeln sich aus kleinen Spinoffs von Studierenden schnell international tätige Unternehmen.
Immer schnellere Produktzyklen, der Zwang zu Wachstum und Internationalisierung, Kostendruck und zunehmend komplexe Wertschöpfungsketten. Der Standort Aachen hilft, diese Herausforderungen zu meistern: eine dichte Infrastruktur mit Produktions- und Dienstleistungen auf engstem Raum; Internationalität und Mehrsprachigkeit; Platz zur Expansion und Raum zur Erholung; ein großes Potenzial an gut ausgebildeten Ingenieuren. Aachen ist einer der wenigen Standorte, der alles auf einmal bietet: eine hohe Dichte an Ingenieurbüros, zwei Nachbarstaaten und zwei Sprachen in unmittelbarer Nähe, freie Gewerbeflächen, Hochschulen und ein großer Naturschutzpark vor der Haustür.
Kultur und Freizeit
Die historischen Baudenkmäler verbildlichen eindrucksvoll die lange Aachener Geschichte. Romanische Bauten treffen auf luftige gotische Spitzbögen; der Barockstil des Baumeisters Johann Josef Couven auf die klassizistischen Bauten des Elisenbrunnens und des Stadttheaters.
Zahlreiche Museen vervollständigen das kulturelle Angebot der Stadt. Das Ludwig Forum für Internationale Kunst zeigt verschiedenste Strömungen der modernen Kunst von den 1960er Jahren bis heute. Eine der bedeutendsten Sammlungen Deutschlands von Skulpturen aus dem 12.-16. Jahrhundert ist im Suermondt-Ludwig Museum zu finden, ebenso wie Malerei verschiedener Epochen. Im Couven Museum gewinnt der Besucher Einblicke in die Aachener Wohnkultur vom Rokoko bis zum Louis-Seize. Das Internationale Zeitungsmuseum umfasst in einer weltweit einzigartigen Sammlung 190.000 Zeitungen in allen Sprachen.
Das Theater Aachen und etliche kleinere Ensembles zeigen moderne und klassische Stücke, Opern, Tanz und Sinfoniekonzerte. Im Musikbunker und im Jakobshof finden regelmäßig Konzerte und Kabarett statt. Aachen ist eine Hochburg des rheinischen Karnevals. Im Sommer und Herbst locken Kulturfestivals die Besucher zu zahlreichen Freiluftveranstaltungen in die Innenstadt.
Rund um den Stadtkern finden sich zahlreiche kleine und große Treffpunkte für das Aachener Nachtleben. Im Pontviertel zwischen Universität und Zentrum treffen sich allabendlich Aachener Studierende beim Bier oder Cocktail.
Besonderes sportliches Highlight ist das jährlich stattfindende Internationale Weltfest des Pferdesports CHIO. Es gilt als das beste Reitturnier der Welt und ist sowohl sportlicher als auch ein gesellschaftlicher Treffpunkt für ein internationales Publikum.
Die Landschaft rund um Aachen ist sehr vielfältig: Die Eifel, die Ardennen, das niederländische Mergelland, die Maas, die Flußlandschaft der Rur, das Hohe Venn im deutsch-belgischen Naturpark, alles liegt quasi vor der Tür. Vielfältig wie die Landschaften sind die Erholungs- und Freizeitmöglichkeiten: Wandern, Reiten, Segeln, Rudern, Klettern, Golfen, Ballonfahren, alles ist möglich.



